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Uniper vor tiefgreifendem Wandel – keine neuen russischen Gasimportverträge

© Uniper SE© Uniper SEDüsseldorf – Der Energieversorger Uniper leidet aktuell wie kaum ein anderes Energieunternehmen unter dem russischen Krieg in der Ukraine. Die Uniper-Aktie ist bisher bereits um über 50 Prozent eingebrochen. Verträge sollen eingehalten werden, die Zukunft sieht Uniper in einer stärkeren Diversifizierung.

Uniper, das sich mehrheitlich im Besitz des finnischen Staatsunternehmens Fortum befindet, hat als Folge der russischen Invasion weitreichende Veränderungen bekannt gegeben. Der finanzielle Ausblick für das laufende Geschäftsjahr bleibt derzeit unverändert.

Uniper verurteilt russischen Einmarsch in die Ukraine scharf
Der Energieversorger Uniper verurteilt den russischen Einmarsch in die Ukraine auf das Schärfste. Mit diesem Krieg bricht Russland das Völkerrecht und die Grundsätze der UN-Charta, teilte Uniper mit. „Ich empfinde tiefes Mitgefühl für alle Menschen, die direkt oder indirekt von einem Krieg in der Ukraine betroffen sind, für den es keinerlei Rechtfertigung gibt.

Gerade vor dem Hintergrund unserer langjährigen Geschäftsbeziehungen zu Russland sind wir schockiert und bewegt von diesen beispiellosen Entwicklungen", so Uniper-CEO Klaus-Dieter Maubach. „Es ist wichtig, dass die Bundesregierung derzeit alles Menschenmögliche tut, um die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Rohstoffexporten zu verringern.“

Laut Maubach sollten die bestehenden Energieströme aufrechterhalten und gleichzeitig Mittel und Wege gefunden werden, um die Gasversorgung für Deutschland und Europa kurz-, mittel- und langfristig vielfältiger und damit weniger anfällig für geopolitische Risiken gemacht werden.

Wertberichtigung für Nord-Stream 2 und Verkauf russischer Tochtergesellschaft Unipro
Uniper wird eine Wertminderung seiner Darlehen an die Nord Stream 2 AG in Höhe von 987 Mio. Euro vornehmen. Der Buchwert ergibt sich aus dem Darlehen (695 Mio. Euro) zuzüglich des aktuellen Betrags der aufgelaufenen Zinsen (292 Mio. Euro). Diese nicht-operative Wertminderung wird sich im ersten Quartal 2022 auf das IFRS-Konzernergebnis auswirken, hat aber keinen Einfluss auf die bereinigten Ergebniszahlen. Künftig werden die damit verbundenen Zinserträge in Höhe von rund 100 Mio. Euro pro Jahr für Uniper entfallen.

Bereits Ende letzten Jahres hatte Uniper einen Prozess zur Veräußerung der russischen Tochter Unipro eingeleitet, an der Uniper einen Anteil von 83,7 Prozent hält. Dieser Prozess wurde jetzt vorerst gestoppt und wird sobald wie möglich fortgesetzt. Uniper wird jedoch keine neuen Investitionen in Russland tätigen und bis auf Weiteres keine Mittel an Unipro überweisen.

Unipro betreibt mit seinen rund 4.300 Mitarbeitern in Russland fünf Kraftwerke mit einer Gesamtkapazität von über 11 Gigawatt (11.000 MW). Unipro erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2021 ein bereinigtes Ergebnis auf EBIT-Basis in Höhe von 230 Mio. Euro, was knapp 20% des operativen Ergebnisses (EBIT) von Uniper und rund 160 Mio. Euro des bereinigten Nettoergebnisses ausmacht.

Langfristige Gasimportverträge mit Russland sollen bleiben – alternative Gasversorgung im Fokus
Die langfristigen Importverträge mit Russland spielen Laut Uniper eine wesentliche Rolle für die Gasversorgung in Europa, insbesondere in Deutschland. Das Gas-Midstream-Geschäft (Transportgeschäft) von Uniper umfasst ein Portfolio von rund 370 TWh (Mrd. kWh) an langfristigen Gaslieferverträgen, davon stammen rund 200 TWh aus Russland. Im Falle einer begrenzten und kurzfristigen Drosselung der Gasflüsse aus Russland wird Uniper voraussichtlich in der Lage sein, den Ausfall weitgehend zu kompensieren.

„Uniper hat derzeit kein strukturelles Preisrisiko in seinem Gasportfolio, da die Liefermengen im Voraus an die Kunden verkauft wurden“, so Tiina Tuomela, CFO von Uniper. Eine mögliche Unterbrechung der russischen Gaslieferungen würde das deutsche Gasimportsystem und damit auch Uniper betreffen, allerdings schätzt Tuomela die Wahrscheinlichkeit für eine solche Einschränkung derzeit als gering ein.

Um das Uniper-Portfolio in Zukunft weiter zu diversifizieren und wie von der deutschen Regierung gefordert, plant Uniper LNG direkt auf den deutschen Markt zu bringen. Nach einem ersten Rückzug wegen fehlender Nachfrage hat das Energieunternehmen die Planungen für ein LNG-Terminal in Wilhelmshaven wieder aufgenommen. Uniper ist schon länger im LNG-Geschäft aktiv und will sein LNG-Portfolio ausbauen.

So hat das Unternehmen seine langfristigen Kapazitäten an den Terminals Isle of Grain (Großbritannien) und Gate (Niederlande) erhöht, um LNG aus vielfältigen globalen Versorgungsquellen nach Europa zu importieren. Die Aktivitäten in Wilhelmshaven stehen auch im Zusammenhang mit den Plänen, Wilhelmshaven zu einer grünen Energiedrehscheibe zu entwickeln, mit grünem Ammoniakimport und einer Wasserstoffproduktion.

Kohlekraftwerke funktionieren auch ohne russische Kohle – Finanzieller Ausblick 2022 unverändert
Uniper hat die notwendigen Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass seine kohlebefeuerten Kraftwerke in Europa technisch ohne russische Kohle betrieben werden können. Russische Kohlelieferverträge sollen nicht verlängert werden. Uniper bezieht bereits Steinkohle aus einer Vielzahl von Regionen weltweit und verfolgt eine Übergangsstrategie zur Kohlediversifizierung, die voraussichtlich Ende 2022 abgeschlossen sein wird, wenn die bestehenden russischen Kohlelieferverträge auslaufen.

Uniper hält an dem Ausblick für das Geschäftsjahr vom 23. Februar 2022 fest. Das Unternehmen geht davon aus, dass die von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) gewährte Kreditfazilität in Höhe von 2 Mrd. Euro verlängert wird. Die Wertminderung der Darlehen an die Nord Stream 2 AG ist zudem weder für das bereinigte EBIT noch für den bereinigten Konzernüberschuss relevant, da es sich um einen nicht-operativen Verlust handelt. Die wegfallenden Zinszahlungen werden sich dagegen auf den angepassten Konzernüberschuss in Höhe von rund 100 Mio. Euro negativ auswirken. Insgesamt haben sich aus heutiger Sicht keine weiteren wesentlichen Geschäftsrisiken für unsere Ergebnisprognose 2022 ergeben, so Uniper.



© IWR, 2022


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