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Nach dem Atomausstieg in Deutschland: Regenerative Stromerzeugung steigt deutlich, fossile Stromerzeugung geht weiter zurück

© Adobe Stock / Fotolia© Adobe Stock / FotoliaMünster, Freiburg - Vor einem Jahr ist am 15. April 2023 mit der Abschaltung der letzten drei Atomkraftwerke Emsland, Neckarwestheim und Isar in Deutschland die Ära der Kernkraft zu Ende gegangen. Kritiker haben massive Auswirkungen auf die Stromversorgung in Deutschland prognostiziert. Doch wie ist die Entwicklung seitdem verlaufen?

Am ersten Jahrestag des Ausstiegs aus der Atomenergie hat Prof. Dr. Bruno Burger vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (Fraunhofer ISE) Bilanz gezogen. Die Zahlen belegen eindeutig, dass die Stromerzeugung aus Kernenergie energetisch durch die gestiegene Erzeugung aus erneuerbaren Energien ersetzt wurde. Auch die Stromproduktion aus fossilen Energien ging zurück, was durch Stromeinsparung, Eigenstromerzeugung aus Photovoltaik, eine reduzierte Last und Importe kompensiert wurde. Die Strompreise fielen auf das Niveau von 2021.

Blackoutgefahr nicht vorhanden
Eine zentrale Sorge, die im Zusammenhang mit dem endgütigen Ausstieg aus der Atomenergie immer wieder geschürt wurde, war die Angst vor drohenden Stromausfällen. Im letzten Betriebsjahr vom 16.04.2022 bis zum 15.04.2023 haben die deutschen Kernkraftwerke 29,5 TWh Strom erzeugt und damit gerade einmal 6,3 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung geliefert. Auch nach dem Ausstieg aus der Atomenergie war die Versorgungssicherheit jedoch immer gegeben. Die installierte Kraftwerksleistung der steuerbaren Kraftwerke (ohne Solar und Wind) liege bei 90 Gigawatt, die maximale Last lag bei etwa 75 Gigawatt. Es sei also immer ausreichend Kraftwerkskapazität vorhanden gewesen, so Prof. Burger.

Strom Importe leicht gestiegen: Import Schwerpunkt liegt bei den Nordländern
Die Stromimporte im ersten Jahr ohne Kernkraftwerke sind in Deutschland leicht von 21,3 TWh auf 23 TWh gestiegen. Das liegt aber nicht an mangelnden Erzeugungskapazitäten in Deutschland, sondern an den deutlich gefallenen Börsenstrompreisen. „Im Sommer haben die erneuerbaren Kraftwerke in den Alpen und in Dänemark, Norwegen und Schweden günstigen Strom erzeugt, so dass die deutschen Kohlekraftwerke nicht konkurrenzfähig waren. So kam auch über den Import viel Strom mit niedrigen Treibhausgasemissionen nach Deutschland“, erklärt Burger. Hinzu kam im Sommer, dass viele Kernkraftwerke in Frankreich nach den Ausfällen im Jahr 2022 wieder am Netz waren und überschüssigen Strom exportiert haben. So zeigt der Blick auf die Import- / Export-Beziehungen von Deutschland mit seinen Nachbarländern, dass die höchsten Stromimporte 2023 aus Dänemark, Frankreich, Norwegen und der Schweiz stammten.

Befürchtung steigende Stromerzeugung aus fossilen Energien nicht eingetreten, stattdessen weniger Kohlestrom
Auch die Befürchtung, dass es nach dem Ausstieg aus der Atomenergie zu einer Renaissance der Kohleverstromung kommt, ist nicht eingetreten bzw. wiederlegt. Im Jahr nach dem Atomausstieg ist parallel zur wachsenden Erzeugung aus erneuerbaren die Stromerzeugung aus fossilen Energien zurückgegangen. Im ersten Jahr ohne Kernenergie wurden ungefähr 154,4 TWh Strom aus Kohle, Erdgas, Öl und Müll erzeugt. Das liegt deutlich unter den Werten der Vorjahre und 26 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Ihr Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung sank auf 33,7 Prozent. Gründe dafür sind unter anderem die hohen Preise für Erdgas und Steinkohle und die hohen CO2-Zertifikatskosten.
„Tatsächlich wurde die Stromerzeugung aus Kernkraft energetisch durch erneuerbare Energien ersetzt. Im ersten Jahr ohne Kernenergie wurden ungefähr 270 TWh erneuerbarer Strom erzeugt, 33 TWh mehr als im Vorjahreszeitraum. Unser Strommix ist so sauber wie nie zuvor“, kommentiert Prof. Burger vom Fraunhofer ISE die Entwicklung.

Strompreise: nicht gestiegen, sondern gesunken
Auch die Strompreise sind im ersten Jahr nach dem Atomausstieg nicht gestiegen. Die Strompreise an der Börse (Day-Ahead) sind vielmehr auf das Niveau von April 2021 gefallen, liegen also niedriger als vor dem Ukrainekrieg. Der durchschnittliche monatliche Day-Ahead Börsenstrompreis liegt im April 2024 bei 48,39 Euro/MWh oder 4,8 Cent/kWh. Auch die Strompreise der Haushalte haben sich erholt und liegen für Neukunden auf dem Niveau vom 04. Juni 2021.


© IWR, 2024


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16.04.2024

 



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