Berlin startet eines der größten Power-to-Heat-Projekte Europas - 120-MW-Anlage für Fernwärme aus erneuerbarem Strom
© BEW / Julian MillerBerlin - Power-to-Heat ist im Rahmen Energiewende ein zentrales Element der Sektorkopplung. Dabei wird überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien in Wärme umgewandelt, wodurch Abregelungen reduziert, fossile Energieträger ersetzt und die Systemflexibilität erhöht werden. In Berlin entsteht nun eine der größten Anlagen in Europa mit 120 Megawatt Leistung.
Die neue Power-to-Heat-Anlage von BEW, 50Hertz und Stromnetz Berlin am Heizkraftwerk Berlin-Mitte soll bis Ende 2028 in Betrieb gehen. Sie nutzt Stromüberschüsse aus dem Redispatch- und Engpassmanagement, um Fernwärme zu erzeugen und so die Abregelung von Wind- und Solaranlagen im Nordosten Deutschlands zu reduzieren.
120 Megawatt Power-to-Heat in Berlin-Mitte: Startschuss für die Wärmewende im Stromsystem
Berlin treibt die Kopplung von Strom- und Wärmesektor weiter voran. Am Heizkraftwerk Berlin-Mitte haben die BEW Berliner Energie und Wärme, der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz und Stromnetz Berlin den Bau einer Power-to-Heat-Anlage (PtH) mit 120 Megawatt Leistung gestartet. Die Anlage soll überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen aufnehmen und innerhalb weniger Minuten in Fernwärme umwandeln.
Ziel ist es, Stromspitzen im Netz nicht länger durch Abregelung erneuerbarer Energien zu verlieren, sondern sie systemdienlich zu nutzen. Die Inbetriebnahme ist bis Ende 2028 vorgesehen.
Stromüberschüsse werden zu Fernwärme – Nutzung statt Abregelung
Die Anlage wird insbesondere im Engpassmanagement eingesetzt, wenn im Nordosten Deutschlands mehr erneuerbarer Strom erzeugt wird, als das Netz aufnehmen oder verbrauchen kann. Statt Wind- oder Photovoltaikanlagen zu drosseln, kann die neue PtH-Anlage diesen Strom künftig direkt nutzen.
50Hertz beschreibt das Konzept als zentralen Baustein für ein flexibles Energiesystem. COO Dirk Biermann betont: „Für ein Stromsystem mit immer mehr Wind- und Solarenergie brauchen wir flexible Verbraucher, die kurzfristig Leistung aufnehmen, wenn Strom im Überfluss vorhanden ist.“ Die Anlage am HKW Mitte sei genau ein solcher Baustein, der Netzengpässe entschärfe und erneuerbaren Strom in die Wärmeversorgung der Hauptstadt integriere.
Auch die Berliner Politik sieht in dem Projekt einen wichtigen Hebel für die Energiewende. Staatssekretär Severin Fischer erklärt: „Indem wir erneuerbaren Strom effizient nutzen, statt ihn abzuregeln, stärken wir nicht nur unsere Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit, sondern treiben gleichzeitig den Klimaschutz und die Dekarbonisierung der Fernwärmeversorgung voran.“
Fernwärme für zehntausende Haushalte und deutliche CO2-Reduktion
Die energetische Dimension des Projekts ist erheblich: In den ersten fünf Betriebsjahren sollen rund 76.000 Tonnen CO2 eingespart werden, vor allem durch den reduzierten Einsatz fossiler Brennstoffe im Heizkraftwerk Berlin-Mitte. Perspektivisch kann die Anlage im Winter über 30.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen und im Sommer Warmwasser für rund 360.000 Haushalte bereitstellen.
Die BEW übernimmt Bau und Betrieb der Anlage. Geschäftsführerin Technik Kerstin Busch sagt: „Mit der Power-to-Heat-Anlage am HKW Mitte wird der Strom aus Wind- und Solaranlagen direkt für rund 30.000 Fernwärmekund:innen nutzbar und hilft, die CO2-Emissionen zu senken.“
Ein weiterer Baustein ist die Infrastruktur: Stromnetz Berlin passt den Netzanschluss an, um die Einspeisung großer Strommengen für die Anlage zu ermöglichen. Geschäftsführer Bernhard Büllmann sieht in dem Projekt einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung.
Technologie, Finanzierung und Systemintegration im Fokus
Technisch umfasst das Projekt drei Elektrodenkessel mit jeweils 40 Megawatt thermischer Leistung, zwei Netztransformatoren sowie eine neue Schaltanlage. Zusätzlich wird die bestehende Fernwärmepumpstation modernisiert, um die hydraulische Leistungsfähigkeit des Netzes zu erhöhen. Perspektivisch ist auch eine Flusswasserwärmepumpe am Standort vorgesehen.
Finanziell wird das Projekt maßgeblich von 50Hertz getragen, mit einer Investitionssumme von bis zu 75 Millionen Euro. Nach Angaben der Projektpartner soll sich die Investition bereits nach rund fünf Jahren amortisieren. Im Rahmen eines Redispatch-Vertrags erhält 50Hertz für fünf Jahre Zugriff auf die Steuerung der Anlage.
Die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung gilt in Berlin als zentraler Hebel für die Klimaziele bis 2045. Mit der Power-to-Heat-Anlage am HKW Mitte entsteht nun eines der größten europäischen Projekte zur direkten Nutzung erneuerbarer Stromüberschüsse für die urbane Fernwärmeversorgung.
© IWR, 2026
Mehr Nachrichten und Infos aus der Regenerativen Energiewirtschaft
Netzengpassmanagement 2025: Stromnetz stabil, Kosten leicht gestiegen bei hohem Ausbau erneuerbarer Energien
Studie: Reiches Netzpaket bedroht Ausbau von Wind- und Solarenergie - 32 GW Wind- und Solarleistung und 45 Mrd. Euro Investitionen in Gefahr
Stellenangebot Energieforen Leipzig GmbH (Leipzig): Senior Consultant (all people) – Kunden- & Produktmanagement in der Energiewirtschaft
Original PM: Perigus Energy: Ein neuer Name auf dem europäischen Onshore-Markt
Belgische Regierung prüft staatliche Übernahme der Atomkraftwerke von Engie05.05.2026
Pressemappen - mit Original-Pressemitteilungen



